11. Juli 2026
Lenkungsausschuss diskutiert die Herausforderungen der Ausbildung in der Kunststoffindustrie
Die Gewinnung von Auszubildenden bleibt für viele Unternehmen der Kunststoffindustrie eine der größten Herausforderungen. Dieses Thema stand deshalb im Mittelpunkt der letzten Sitzung des Lenkungsausschusses des Kunststoffnetzwerks Ems-Achse Ende Juni bei Röchling in Haren.
Die Unternehmen tauschten sich über ihre aktuellen Erfahrungen aus und diskutierten die Auswirkungen auf die betriebliche Ausbildung sowie auf die Beschulung an der Berufsschule in Nordhorn.
Aus vielen Betrieben wurde berichtet, dass die Zahl geeigneter Bewerbungen für technische Ausbildungsberufe seit Jahren kontinuierlich zurückgeht. Besonders betroffen ist die Ausbildung zum Kunststoff- und Kautschuktechnologen. Während kaufmännische Ausbildungsplätze häufig noch gut besetzt werden können, fehlen für gewerblich-technische Berufe zunehmend geeignete Bewerberinnen und Bewerber.
Ein Unternehmen berichtete, dass die Zahl der Bewerbungen für technische Ausbildungsberufe innerhalb von gut zehn Jahren um mehr als 90 Prozent zurückgegangen ist. Andere Unternehmen bestätigten diese Entwicklung. Die Folgen zeigen sich inzwischen deutlich. In einzelnen Betrieben können Ausbildungsplätze nicht mehr besetzt werden, weil geeignete Bewerbungen fehlen. Teilweise werden Ausbildungsplätze unbesetzt gelassen oder Unternehmen qualifizieren verstärkt Beschäftigte aus anderen Berufen für Aufgaben in der Kunststoffverarbeitung.
Auch die Zahl der Ausbildungsanfänger geht zurück. Für das kommende Ausbildungsjahr werden wieder deutlich weniger neue Auszubildende im Beruf Kunststoff- und Kautschuktechnologe ihre Ausbildung als in den Vorjahren beginnen.
Ein weiteres Thema war die Entwicklung der Ausbildungsabbrüche. Mehrere Unternehmen beobachten, dass Auszubildende ihre Ausbildung häufiger als früher abbrechen. Diese Entwicklung war in den vergangenen Jahren deutlich seltener zu beobachten und stellt die Unternehmen vor zusätzliche Herausforderungen. Dieser Trend ist allerdings auch in anderen Branchen zu sehen. Gleichzeitig berichteten mehrere Unternehmen, dass Auszubildende heute häufig über persönliche Kontakte, Praktika oder Empfehlungen den Weg in den Betrieb finden.
Die rückläufigen Ausbildungszahlen wirken sich inzwischen auch auf die Berufsschule aus. Nach Einschätzung der Berufsschule Nordhorn werden die Klassen im Fachbereich Kunststofftechnik kleiner. Wo früher rund 20 Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet wurden, liegen die Klassengrößen heute häufig nur noch bei etwas über zehn. Der genaue Stand für das kommende Schuljahr steht zwar noch nicht fest, die Entwicklung ist jedoch eindeutig. Gleichzeitig berichten auch die Schulen von einer steigenden Zahl an Ausbildungsabbrüchen. Aus anderen Regionen Niedersachsens ist bereits bekannt, dass Kunststofftechnik-Fachbereiche aufgrund fehlender Schülerinnen und Schüler geschlossen werden müssen.
Die Unternehmen im Kunststoffnetzwerk verfolgen diese Entwicklung aufmerksam und tauschen sich darüber aus, welche gemeinsamen Maßnahmen dazu beitragen können, den Berufsschulstandort Nordhorn langfristig zu sichern. Hierzu steht das Kunststoffnetzwerk im Austausch mit der Berufsschule und mit dem Campus Berufliche Bildung sowie engagiert sich bereits mit verschiedenen Maßnahmen für die Nachwuchsgewinnung.
